musikvereinsnewsletteryeah! Shackleton bei confused!

Seid gegrüßt!
DIESE WOCHE:

Morgen Abend, 21.11., gibts eine ganz fabelhafte Party im Zentralcafé: Einer der ganz Großen des Dubstep ist zu Gast – SHACKLETON kommt zu CONFUSED. Vom Dubstep hat er sich inzwischen zu technolastigerer Musik weiterentwickelt, deren Sound immer noch die dublastige Faszination für Räumlichkeit und afrikanisch angehauchte perkussive Elementen prägt. Dazu dürft ihr euch auf Stefan Wagner und Hyner (Maos Rache) freuen. [mehr info]
[An dieser Stelle wäre jetzt eine Gästelistenplatzverlosung, aber die gibts nur im Newsletter]

Und seit dem letzten Newsletter gibts eine neue Sparte im musikvereinsnewsletteryeah: SONSTNOCHSO, das findet ihr immer unten zwischen NEWS und DIE KLEINE VORSCHAU. Das sind diesmal zum Beispiel ein
paar Leseempfehlungs-Links.

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Auch wenn wir sonst eher links unten sind, findet ihr den Link dafür rechts oben auf unserer Website.

( ^ _ ^)∠☆ !

NEWS:

Eine schlechte Nachricht: Wegen Krankheit mussten AUXES ihre Tour absagen. Wir haben aber Lust, die Show mit RIVERS AND TIDES am 27.11. trotzdem zu machen und sind schon auf Ersatzzweitbandsuche, wir informieren euch.

Jetzt noch ein Rundumschlag, was wir alles für die nächste Zeit ausgetüftelt haben (ich hab schon viel zu lange nicht mehr geupdated):

Am 1.12. haben wir noch ganz kurzfristig ein Konzert von ZU für euch: Das italienische Noise-Avantgarde-Rock Free Jazz Monster hat inzwischen Gabe Serbian von THE LOCUST am Schlagzeug (Ipecac, Trost). Als Support gibts eine nagelneue Band aus Nürnberg: VESUV, herausfordernder Noiserock mit melodiösen Sprengseln.

Am 20.12. gibts eine BEAT THANG Party mit Beatbastler YARIN LIDOR aus Tel Aviv als Special Guest.

Am 28.12. laden wir zur MV WINTER SOIRÉE mit DREAM KOALA – veträumter Chillwave zwischen tröpfelnden Beats und weichen Soundflächen. Außerdem gibts ein Buffet und Stefan Wagner & Red On legen auf.

Was wäre inzwischen ein Silvester ohne SYLVESTA STALLONE? Keine Angst, wir lassen euch nicht hängen, sondern feiern mit euch auch dieses Jahr mit unserer kleine Party ins neue Jahr hinein.

Am 9.1. gibts ‚Tanztee von unten‘: HUMAN ABFALL und PISS kommen! Erstere bieten ein großartiges Post-Punk-Brett mit so unvergesslichen Textzeilen wie „Katzen, mit ihren kleinen Tatzen, schlendern an die Bluttöpfe der Bourgeoisie“. PISS aus Berlin dagegen spielen großartig rohen Hardcore/Noise/Punk.

Am 17.1. gibts Techno mit WE ARE 138 und am 24.1. das große RADIO Z WINTERFEST!

Am 29.1. kommen HALLS, filigrane Songs zwischen düsterer Elektronik und euphorischem Songwriter-Pop
(UK), und als Support VINCENT VON FLIEGER: Düster-verhallter Indie-Pop mit Hang zur Elektronik vom MIO-MYO-Sänger.

Am 6.2. bitte anschnallen und den Vorverkauf nutzen: Verzerrte Gitarren in Zeitlupe, tiefgelegte Bässe, die sich in deinen Magen graben… EARTH, dieDrone/Doom/Sludge-Legende kommt ins Zentralcafé! Dazu zwei exquisite Experimental-Acts: BLACK SPIRITUALS und DON MCGREEVY & ROGIER SMAL DUO. Ein Wahnsinn.

(^ _ ^)∠☆ !

SONSTNOCHSO:

Leseempfehlungen:

Steve Albini hat eine großartige Rede „On the surprisingly sturdy state of the music industry“
gehalten, in der er die Entwicklung von den 70ern bis heute nachzeichnet, er erinnert an Dinge wie „In the 70s and 80s most bands went through their entire lifecycle without so much as a note of their music recorded“ und dass das alte Modell für alle funktioniert haben mag, außer für Musiker_innen und Fans – für diese bot das Internet Problemlösungen und Freiheit. Den Kontrollverlust, den das Musicbiz durch das Netz erlitten hat, versucht es seit Jahren wieder wettzumachen, indem es das Internet zur Problemzone erklärt. Steve Albini erklärt aber hervorragend, warum es dabei nicht um Musiker_innen und ihre Fans geht.
„Inside that trite sentence, ‚We need to figure out how to make this work for everyone,‘ hides the skeleton of a monster.“
Gibts als Video oder zum Lesen im Guardian.

„Concert promoters study Spotify listens to route tours through towns with the most fans, and some artists look for patterns in Pandora streaming to figure out which songs to play at each stop on a tour.“ Es wird Zeit, es zuzugeben: Das Geheimnis hinter der Underground Finesse des Musikvereins ist, dass wir seit Jahren dutzende unterbezahlter Informanten-Kätzchen versklavt haben, die wir durch Nürnbergs Straßen ziehen lassen, um nicht nur eure Spotify- sondern auch eure Vinyl- und sonstwas-Hörgewohnheiten aufspüren zu können, um nach Auswertung der Daten dann ausschließlich Konzerte von Bands zu veranstalten, von denen noch niemand hier in der Gegend jemals etwas angehört hat.
Das englische Zitat hier stammt aus „The Shazam Effect“, einem langen lesenswerten Artikel, in dem Derek Thompson der Frage nachgeht, was für Auswirkungen das Arbeiten mit Tracking und Daten eigentlich auf die Musik selbst hat.

Bertolt Seliger hat für die Jungle World einen schmissigen Rant über das für 2015 in Berlin geplante Lollapalooza-Festival geschrieben: „nicht weniger als das jüngste Beispiel für die entfesselte
Popwirtschaft unserer Zeit„. Ein Ausschnitt, in dem er sich über die typische Sprache von konzerndominierter Popkultur auslässt: „Es gehe darum, Erfahrungen »von Fan zu Fan zu teilen«, man schaffe »soziale Orte und innovative kulturelle Angebote (…), um die Menschen ein bisschen glücklicher zu machen« – »werde Teil des Ganzen!« So wird Nicoles »Ein bisschen Frieden« auf den neoliberalen Kapitalismus des
21. Jahrhunderts übertragen.“ Hier der Link.

wir seh’n uns,
eve massacre
für den Rest vom musikverein
www.musikverein-concerts.de

Sozial vernetzen? facebooktwitteryoutube oder bei unseren Veranstaltungen vorbeikommen und mit uns schwatzen.

(^ _ ^)∠☆ !

DIE KLEINE VORSCHAU:

27.11.14
RIVERS AND TIDES
+  (wir suchen noch Ersatz für AUXES!)

29.11.14
ERTC mit
CLAP CLAP

1.12.14
ZU
VESUV

13.12.14
[PARTY]

20.12.14
BEAT THANG mit
YARIN LIDOR

24.12.14
ORCHID

28.12.14
MV WINTER SOIRÉE mit
DREAM KOALA

31.12.14
SYLVESTA STALLONE

9.1.14
HUMAN ABFALL
PISS

17.1.14
WE ARE 138

24.1.14
RADIO Z WINTERFEST

29.1.14
HALLS
VINCENT VON FLIEGER

6.2.14 (onlineticketlink)
EARTH
BLACK SPIRITUALS
DON MCGREEVY & ROGIER SMAL DUO

Offener Brief vom musikverein an den Kulturausschuss der Stadt Nürnberg zum Konzept der MUZ für den Z-Bau

Vielfalt fördern – Einfalt verhindern! Kultur ist überall!

Dem Konzept eines ausgelagerten, zentralen Objekts der Gegenwartskultur in Form des „neuen“ Z-Baus stehen viele Argumente gegenüber: Abgesehen von der Tatsache, dass zusätzliche kommunal gesponserte Räumlichkeiten in solcher Größenordnung nicht wirtschaftlich betrieben werden können, ist es offensichtlich, dass neue zukunftsprägende Kultur und Soziokultur nicht künstlich in betreutem Rahmen entsteht, sondern sich ihre eigenen Kontexte und Räume sucht und erstickt wird, wenn sie im Rahmen gehalten wird. Zudem stehen die Kosten der Z-Bau-Renovierung in keiner Relation zu der Bedarfslage an bereits bestehenden Spielorten.

Popkultur in Nürnberg lebt, Popkultur in Nürnberg wächst – oktroyierende Maßnahmen braucht es nicht!

Als vor ein paar Tagen das 85-seitige Konzept von Steffen Zimmermann, Geschäftsführer der musikzentrale, veröffentlicht wurde, war die Reaktion derer im musikverein, die Zeit hatten, es durchzulesen, erst mal ein müdes Resignieren.

Wenn man das Konzept bis ins Detail liest, und sieht, dass selbst an Dinge gedacht wurde wie „Maßnahmen zum Imagegewinn und der Positionierung des Kulturbetriebs in der Öffentlichkeit“, ist es manchen von uns schon erst mal danach zumute gewesen, sich einfach unter die Decke zu verkriechen.

Wir haben uns nun dennoch entschlossen, ein Statement dazu abzugeben, da wir nicht sprachlos zusehen wollen, wie Unmengen von Geld, das die Kulturszene der Stadt anderswo bitter nötig hätte, zugunsten eines Prestigeobjekts in den Sand gesetzt werden.

Falls für den Umbau in der vorgelegten Form entschieden wird, empfinden wir das ganz schlicht als einen Affront gegenüber der bereits existierenden Kulturszene, die sich mit knappen Mitteln den Allerwertesten aufreißt.

Unsere Kritik?

Die Aussage eines Kreativwirtschaftsberichts, dass in dieser Metropolregion zu wenig Geld mit Popkultur verdient wird, heißt nicht automatisch, dass auch genug Publikum da ist, um noch ein zusätzliches Multiplex-Popkultur-Zentrum zu füllen; sprich: dieses Geld auch praktisch zu erwirtschaften.

Wir halten die Größenordnung des Z-Baus für realitätsfremdes städteplanerisches Reißbrettdenken, das finanziell unverantwortlich ist.

Es ist ein Unding, dass die Machbarkeitsstudie vom zukünftigen Betreiber erstellt wurde. Wer würde sich an dessen Stelle nicht eine Bedarfslage zurechtbasteln?

Keine Bedarfslage in der geplanten Größenordnung
– Konkurrenz ist vorprogrammiert

Der Musikverein wurde ja trotz seiner 36jährigen Erfahrung als Veranstalter in Nürnberg (ca. 100 Konzerte, Lesungen, Partys, in verschiedensten Größenordnungen und Musikbereichen pro Jahr) – aus Versehen? – nicht gefragt. Obwohl oder gerade weil er die von der Stadt gewünschte pop-musikalische Forderung erfüllt – aber eben ehrenamtlich.

Deswegen auf diesem Weg unsere Meinung: Wir sehen den Bedarf in so einer Größenordnung wie der des Z-Baus als nicht gegeben an.

Wo es Lücken gibt, das sind kleinere bis mittlere Veranstaltungsorte mit spannenden individuellen Konzepten. Dazu reicht es, sich den großen Zuspruch, den der Hemdendienst erfährt, anzusehen, oder die zahlreiche langjährige Unterstützung von Leuten die sich für das AKN/Projekt 31 einsetzen.

Wer zum Jahreswechsel eine große Lücken hinterlassen wird, das ist der Kunstverein im Bereich Punk, Doom, u.ä. Konzerten und Dubstep/Jungle usw. Discos. Er ist auch in seiner Form als einer der letzten wirklichen Freiräume in Nürnberg bedeutend. Das können die meisten Ersatzspielorte nicht leisten, und wir sind skeptisch, wie ‘frei’ der KV im geplanten Z-Bau-Konzept noch sein wird.

Es ist allerdings derzeit kein Bedarf für den Bereich da, auf den die MUZ sich bislang schwerpunktmäßig fokussiert: Die Ecke Indie/Folk/Elektropop, die auch im Club Stereo, Hemdendienst und Zentralcafé (um nur drei Orte zu nennen, oder ‘nürnberg.pop’ als Festival) regelmäßig veranstaltet wird. Hier herrscht jetzt schon so ein Überangebot, dass gerade an Tagen, an denen mehrere Konzerte parallel stattfinden, deutlich wird: Es gibt nicht genug Publikum in diesem Bereich um vier Clubs zu füllen.

Da die MUZ auch jenseits vom MUZ-Club, wenn sie Bands für Veranstaltungen wie Brückenfestival oder Rote Kulturnacht buchte, immer nur in diesem musikalischen Bereich blieb, sind wir davon überzeugt, dass die MUZ im Z-Bau auch wieder diese Richtung einschlagen wird. Und das wird – egal wie vehement es auf dem Vorabpapier abgestritten wird – selbstverständlich zu einer Konkurrenzsituation führen.

Was größere Veranstaltungen betrifft, haben alteingesessene Veranstalter wie CBF/Hirsch und neuere wie z.B. das E-Werk mit seiner ‘Kulturversorger’-Initiative oder Wild2000 inzwischen ganz gut ausgelotet, was in Nürnberg geht. Schätzte man die Lage vor zwei Jahren noch so ein, dass sich je ein weiterer 450-2000 Leute Saal, wie sie jetzt im Z-Bau geplant sind, regelmäßig bespielen ließen, haben Veranstalter dieser Größenordnung inzwischen feststellen müssen: Es lassen sich nicht mal die bereits vorhandenen Säle ganz ausnutzen.

Die Künstler, deren Konzerte sich rechnen, spielen meist nur wenige Einzeldates (gefolgt von diversen Festivalauftritten), bevorzugt in Medienstädten, und keine kompletten Touren mehr. Man kriegt diese Bands jetzt schon kaum nach Nürnberg.
Wir können aus unserer Erfahrung heraus sagen, dass es gewiss nicht an fehlenden Bookingkontakten oder an mangelnder Infrastruktur liegt, dass wir selbst nicht mehr so oft wir früher Bands der Liga White Stripes, TV On The Radio usw. im Festsaal des K4/Künstlerhauses veranstalten. Auch ein frischrenovierter Z-Bau wird an diesem Bookingverhalten nichts ändern.

Dazu kommt dass Nürnberg im Vergleich zu anderen Städten oft niedrigere Besucherzahlen hat. Auch diese werden sich gewiss nicht vergrößern, wenn sich dasselbe Publikum auf noch mehr Veranstaltungen aufteilen soll. Und wer auf Fremdeinmietungen setzt, dem sei gesagt: Die Kosten, um sich in einen Raum im Z-Bau einzumieten, werden auch nicht günstiger sein als die für die anderswo schon bestehenden Räume. Dürfen sie ja nicht, wegen der Konkurrenzsituation, die angeblich vermieden werden soll.

Dass MUZ und Teile der Kulturpolitik sich ein eigenes Monopol-Popkulturzentrum in Nürnberg bauen wollen, sollte nicht blind vor den Zahlen machen, die das E-Werk als von der Größenordnung her absolut vergleichbarer Spielort, im selben Einzugsbereich schreibt. Neben den immensen Baukosten (7.5 Millionen nach Abzug des EU-Zuschusses und erfahrungsgemäß steigt das ja immer noch während der Bauphasen) wird ein jährlicher Zuschuss von 400.000 Euro für den Z-Bau gefordert. Zur Erinnerung die Zahlen vom E-Werk: Jährlicher Zuschuss: 373.000 Euro. Eigenerwirtschaftungsquote: 84% (und das muss man erst mal hinkriegen!). Defizit im Jahre 2011 trotzdem: 39.700 Euro, sprich: Insolvenz droht. Und das von einem Kulturzentrum, das schon über Jahrzehnte gepflegte Bookingkontakte verfügt, und kaum riskante Veranstaltungen macht.

Wer kann denn angesichts solcher Zahlen ernsthaft davon reden, dass es in der Metropolregion den Bedarf an noch einem Kulturzentrum dieser Größenordnung gibt, und darüber hinaus auch noch behaupten, dass dies keine Konkurrenz zu bestehenden Kulturspielorten darstellen wird? Ach ja: Der zukünftige Betreiber und die Lokalpolitiker, die sich damit ein Kulturdenkmal setzen wollen.

Die Mittel die in den Z-Bau investiert werden sollen fehlen woanders

Hier wird geplant, als wäre im Kulturbereich der Stadt Nürnberg Geld im Überfluss vorhanden und als wären alle bestehenden Einrichtungen bereits gut versorgt. Das Gegenteil ist der Fall, wie wir alle wissen. Und trotzdem wird hier mit einer nicht nachvollziehbaren Leichtigkeit über die langfristige Bindung von Mitteln gesprochen, die anderswo dann nicht mehr zur Verfügung stehen.

Man will „den im Kulturbereich oft beobachtbaren Selbstausbeutungstendenzen entgegenwirken“, wie es als eines der Ziele im Z-Bau Konzept steht!? Nun, wenn Geld investiert werden soll, weil die Leute sich nicht bis an die Grenzen des Machbaren selbst ausbeuten sollen, warum wird dann nicht erst mal mehr in bereits bestehende Kulturangebote investiert? Einige können nur mangels fehlender Stellen und finanzieller Mittel für Umbauten oder Ausstattung nicht bis zur vollen Ausnutzung bespielt werden. Oder warum werden nicht kulturelle Orte unterstützt, deren Aktivität durch Probleme mit Anwohnern, Parkplätzen, Verordnungen, fehlender Lärmdämmung, Heizung u.ä. ausgebremst werden? Die Liste ist endlos – wenn es einem wirklich um vielfältige Kulturförderung geht.

Zentralismus auf Kosten kultureller Vielfalt

Wir wollen nicht stumm zusehen, wie hier Weichen gestellt werden, durch die zugunsten eines zentralen leichter regulierbaren Popkultur-Ansprechpartners, der MUZ-Gruppe, die bestehende gewachsene kulturelle Vielfalt der Stadt gefährdet wird. Wenn in ein paar Jahren dann nämlich festgestellt wird – und das ist absehbar – dass dieses Z-Bau-Konzept nicht so toll läuft wie erträumt, dann kann das leicht dazu führen, dass an anderen Stellen der Stadt der selbstbestimmten jungen Kultur das Leben noch schwerer gemacht wird, als es jetzt schon für viele ist. Denn dann lässt sich ja einfach sagen: Ihr müsst ja nicht an euren Orten bleiben, wir haben euch doch diesen tollen Multiplex-Kultur-Klotz mit perfekter Infrastruktur gebaut.

Wir aber wollen lebendige quer über die Stadt verteilte Kultur, die aus vielfältigen Kontexten heraus ensteht, die sich frei entwickelt und nicht-Vorsehbares hervorbringt, und die auch mal unbequem und kritisch sein kann, und nicht nur wie im Z-Bau-Konzept gewünscht ‘sinn- und lebensfreudestiftend’. Das Z-Bau Konzept erkennt schon ganz richtig, dass „kulturelle Neuentwicklungen nur schwer steuerbar sind, da diese meist intrinsisch aus homogenen Szenen heraus entstehen und sich oft von ihrem Selbstverständnis aus bewusst einer szenefremden Betrachtung oder einer potentiellen Institutionalisierung verweigern“. Der Schluss, der hieraus gezogen werden sollte, ist aber dass es eben genau für diese Kultur kein Popkulturzentrum in der hier vorgelegten Konzeptierung bedarf. Wir wollen nicht, dass die Kultur unserer Stadt von gutmeinenden taktierenden KreativwirtschaftlerInnen gesteuert wird. Wir fordern von unserer Stadt mehr Engagement für die Vielfalt. Wir wollen auch nicht, dass die Kultur dieser Stadt städtebaulichen Plänen unterworfen wird, die jetzt grad mal den Süden von Nürnberg aufwerten wollen, sondern dass sie genau dort respektiert und unterstützt wird, wo sie wächst. „Not in our name, Marke Nürnberg“ – oder wie war das?

Dass die MUZ in einigen Bereichen gute Arbeit leistet und weiß, wie man sich an den richtigen Stellen Freunde schafft, bezweifelt niemand. Dass die MUZ aber nun auch noch aufgrund einer selbsterstellten Bedarfsstudie ein Riesen-Multiplex-Kulturzentrum finanziert bekommen soll, das geht einfach zu weit.

herzlichst,
euer musikverein
(Ehrenamtliches Veranstalterkollektiv im Künstlerhaus/K4, http://www.musikverein-concerts.de)

Wir würden übrigens gerne im Jahr 2046 vielleicht auch mal für den Kulturförderpreis der Stadt Nürnberg Betracht gezogen werden. Das wäre dann zu unserem 70. Jubiläum.

Das Konzept der MUZ zum Z-Bau, das morgen dem Kulturausschuss vorgelegt wird, könnt ihr hier einsehen:
http://online-service2.nuernberg.de/eris09/agendaItem.do;jsessionid=B0A4CD1C3E9281AA469F50CA0B162759?id=31802

Unser Statement als (vielleicht) angenehmer lesbares PDF:
http://www.musikverein-concerts.de/download/Offener%20Brief%20vom%20musikverein%20zum%20MUZ-Konzept%20f%C3%BCr%20den%20Z-Bau.pdf